{"id":212,"date":"2021-07-26T12:27:27","date_gmt":"2021-07-26T12:27:27","guid":{"rendered":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/?p=212"},"modified":"2022-08-10T13:09:46","modified_gmt":"2022-08-10T13:09:46","slug":"dem-orchideenfach-iranistik-fehlen-manche-blueten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/?p=212","title":{"rendered":"Dem Orchideenfach Iranistik fehlen manche Bl\u00fcten"},"content":{"rendered":"\n<p>In meiner Masterarbeit \u00fcbersetze ich persische Gedichte afghanischer Frauen. Dass diese Frauen in Iran aufgewachsen sind, erleichtert mir die Arbeit insofern, dass sie in dem mir bekannten und an der Uni erlernten iranisch-persischen Dialekt <em>(Farsi)<\/em> schreiben. Ihre Muttersprache ist eigentlich das in Afghanistan gesprochene <em>Dari<\/em>, eine Variante des Persischen. Davon habe ich w\u00e4hrend meines Studiums nat\u00fcrlich geh\u00f6rt. Vielmehr durch meine afghanisch-deutsche Kommilitonin, welche damit zuweilen den Persisch-Unterricht bereicherte, als durch die Thematisierung dieser Tatsache in einem Nebensatz in irgendeinem Unterricht. Daraufhin fragte ich mich erneut: <strong>Iranistik \u2013 was bedeutet das eigentlich?<\/strong> Der Name l\u00e4sst sofort an das Land <em>Iran<\/em> denken. Im Duden wird es als die \u201eWissenschaft von den iranischen Sprachen und Kulturen\u201c beschrieben. Ludwig Paul, Professor der Iranistik an der Uni Hamburg, definiert das Fach wie folgt: \u201e<em>Iranistik ist die Wissenschaft von den V\u00f6lkern, Regionen und L\u00e4ndern, die von der iranischen Kultur und Sprachen beeinflusst und wo iranische Sprachen gesprochen wurden bzw. werden<\/em>.\u201c<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\">[1]<\/a> Ich selbst habe folgendes gelernt: <strong>In Iran werden nicht nur iranische Sprachen gesprochen <u>und<\/u> iranische Sprachen gibt es auch in anderen L\u00e4ndern.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"675\" src=\"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-1024x675.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-426\" srcset=\"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-1024x675.png 1024w, https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-300x198.png 300w, https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-768x506.png 768w, https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-1536x1013.png 1536w, https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-2048x1350.png 2048w, https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-1200x791.png 1200w, https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/22.-Iran-languages-detailed-8-1-1980x1305.png 1980w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Karte von M. Izady zeigt die Verbreitung iranischer Sprachen in der Region.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese Karte<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\">[2]<\/a> verdeutlicht diese Erkenntnis eindr\u00fccklich. Warum lernen wir dann neben Neupersisch wahlweise \u201enur\u201c Altpersisch, Mittelpersisch, Baktrisch, Sogdisch, Kurmandschi und Zazaki? Was ist mit Pashto, Dari, Tadschikisch und Sorani? Professor Paul dazu weiter in seinem Vortrag: \u201e<em>Es ist quasi leider so, dass der Schwerpunkt hier sehr stark iranbezogen ist. Ich sage leider deshalb, weil es sehr viele interessante Themen gibt, aber die meisten Studierenden kommen, sind von iranischem Hintergrund und Iran ist quasi das sozusagen wichtigste Land, mit dem man sich auch gegenwartsbezogen besch\u00e4ftigt. Und so ist es bedingt, dass Iran etwas \u00fcberrepr\u00e4sentiert und andere Regionen wenig thematisiert werden<\/em>.\u201c<a id=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\">[3]<\/a> Dies ist insofern besonders interessant, da sich Iranist: innen, im Gegensatz zu beispielsweise Historiker: innen und Politikwissenschaftler: innen, in der Regel dadurch auszeichnen, dass sie Zugang zu originalsprachlichen Quellen wie auch den Menschen und ihrer gelebten Kulturen haben. So ist das heute. <strong>Und wie war das damals?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"605\" height=\"355\" src=\"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Schilder-in-Yazd-in-Iran-Fotografie-von-Lisa-Adolf.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-214\" srcset=\"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Schilder-in-Yazd-in-Iran-Fotografie-von-Lisa-Adolf.png 605w, https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Schilder-in-Yazd-in-Iran-Fotografie-von-Lisa-Adolf-300x176.png 300w\" sizes=\"(max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><figcaption>Auf den Schildern steht geschrieben: \u201eTeheran ist nicht Iran\u201c und \u201eIran ist ein Land mit wenig Wasser\u201c. Yazd, Iran \u00a9Lisa Adolf<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieser Metapher folgend m\u00f6chte ich der These <strong>\u201aIranistik ist nicht gleich Iran\u2018 <\/strong>nachgehen. Mithilfe der im Rahmen des Projektes <em>One Foot in the Past &#8211; One in the Future: Young Investigators and the Tradition of Middle Eastern Studies in Hamburg<\/em> gef\u00fchrten Interviews<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\">[4]<\/a> &nbsp;werde ich versuchen, einen Einblick darin zu geben, wie sich in der Hamburger Iranistik der 1960er bis 1990er Jahre Wissenschaft, Politik und eigene Interessen gegenseitig bedingt und geformt haben und diesen in den geschichtlichen Kontext des Fachbereichs setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schirin Fathi, die 1989 ihr Promotionsstudium der Islamwissenschaft in Hamburg begann und dort damals (sowie bis 2020) unterrichtete, verglich: \u201e<em>[\u2026] die Freiheit, die ich damals hatte, die ist nicht zu vergleichen mit heute. Heute ist es ja schon eher so, dass wir versuchen, ein m\u00f6glichst einheitliches Curriculum zu etablieren. Das hei\u00dft, wir haben wiederkehrende Kurse und wir versuchen immer alle Bereiche abzudecken. Damals hat man halt unterrichtet, wozu man Lust hatte. Das hat nat\u00fcrlich auch negative Folgen gehabt. Also wir haben tats\u00e4chlich Islamwissenschaftler aus der Zeit, die nie was von Schia geh\u00f6rt haben. Oder nie was von Mittelalter. Weil Professoren nur das unterrichtet haben, was sie selber spannend fanden<\/em>.\u201c <strong>Und was war das damals?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1951 wurde die Iranistik in die Pr\u00fcfungsf\u00e4cher aufgenommen. Ein Jahr zuvor hatte der Iranist Wolfgang Lentz (1900-1986) seine Lehrt\u00e4tigkeit in Hamburg aufgenommen. \u00dcber die Schritte des au\u00dferplanm\u00e4\u00dfigen zum planm\u00e4\u00dfigen au\u00dferordentlichen Professor wurde er schlie\u00dflich 1964 zum ordentlichen Professor ernannt. Aufgrund der damaligen rassistischen, antisemitischen Bestimmungen wurde ihm in den 30er Jahren eine Professur verwehrt. Denn: Seine Gro\u00dfmutter war J\u00fcdin. Diese Tatsache hinderte die Wehrmacht wiederum nicht daran, ihn 1942 als Soldat einzuziehen und ihn in Jugoslawien einzusetzen, um kurdische Kriegsgefangene zu interviewen. Lentz konnte unter anderem Avestisch sowie Neupersisch und vertrat laut Ludwig Paul \u201e<em>die Iranistik in ihrer vollen Breite<\/em>\u201c<a id=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\">[5]<\/a>.<br>Werner Ende, der von 1977-1983 als Professor <em>Gegenwartsbezogene Islamwissenschaft <\/em>an der Hamburger Abteilung lehrte, beschrieb Lentz ebenso als Wissenschaftler mit einer unglaublichen Bandbreite. \u201e<em>Das gab\u2018s \u00fcberhaupt damals schon kaum noch und heute ist das gar nicht mehr m\u00f6glich<\/em>\u201c, bemerkte er. Er sei unglaublich belesen gewesen und interessierte sich im Besonderen f\u00fcr moderne persische Literatur. Ende f\u00fcgte hinzu: \u201e<em>Lentz war ein besonderer Mensch.<\/em>\u201c Auch Claus-Peter Haase, damaliger Student an der Universit\u00e4t Hamburg, Islamwissenschaftler mit einem Schwerpunkt auf Arch\u00e4ologie und islamische Kunst, sagte im Gespr\u00e4ch: \u201e<em>Ein sehr interessanter Forscher. Hat \u00e4rgerlich wenig verfasst und seine Seminare waren bei Kollegen und anderen gef\u00fcrchtet, denn er pflegte richtig Wissenschaftskritik anzubringen. [\u2026] bei Lentz haben wir eigentlich die kritische Wissenschaft gelernt.<\/em>\u201c Mit Bertold Spuler, dem damaligen Leiter des Fachbereichs, verstand Lentz sich nicht gut. Aus diesem Grund habe er viele Seminare in seiner Privatwohnung abgehalten. Werner Ende erz\u00e4hlte eine Geschichte, welche erneut verdeutlicht, dass Wissenschaft und Politik nicht einfach zu trennen sind. Als bedeutender Iranist wurde Wolfgang Lentz vom damals amtierenden Schah Mohammad Reza Pahlavi zur <em>2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie <\/em>eingeladen. Es gab deutsche Iranist: innen, die freudig nach Persepolis reisten, aber auch jene, welche der Einladung nicht folgten. Zu letzteren geh\u00f6rte Lentz. Die Besonderheit lag darin, dass er die Einladung in einer \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung ablehnte, was viele seiner Kolleg: innen f\u00fcr unh\u00f6flich und taktisch unklug hielten. 1968 beendete er seine Lehrt\u00e4tigkeit. Danach konnte die Professur drei Jahre lang nicht dauerhaft neu besetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>1971 wurde Ronald E. Emmerick (1937-2001) nach Hamburg berufen. Seine Kenntnisse und Arbeiten im Khotan-Sakischen machten ihn zu einer weltweit f\u00fchrenden Autorit\u00e4t in diesem Bereich. Herausragend in seinen F\u00e4higkeiten war neben Kenntnissen in weiteren iranischen Sprachen die Tatsache, dass er auch Chinesisch, Sanskrit und Tibetisch beherrschte. Sprachen, ohne die er das Khotan-Sakische nicht h\u00e4tte erforschen k\u00f6nnen.<a id=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\">[6]<\/a> Mit seinen Mitarbeitenden Dr. Gerd Gropp und dem Shahname-Spezialisten Dr. Khaleghi-Motlagh vertrat er in Hamburg weiterhin die Tradition der philologischen Iranistik. Alt- und Mittelpersisch, sowie Avesta und Neupersisch waren verbindlich zu erlernende Sprachen. Au\u00dferdem wurden Khotanisch, Sogdisch, Pashto und Ossetisch unterrichtet.<a id=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\">[7]<\/a> J\u00fcrgen Paul, der ab 1982 Islamwissenschaft in Hamburg studierte und anschlie\u00dfend ebenda promovierte, mutma\u00dfte: \u201e<em>Von den lebenden Sprachen war Pashto meine ich das, was er [Emmerick] am tollsten fand. Und das hat man da gemerkt<\/em>.\u201c Herr Haase merkte an, dass erst der Erfolg von Khaleghi-Motlaghs Shahname-Edition das Interesse Emmericks am Neupersischen weckte und er die dazugeh\u00f6rigen Seminare f\u00fcr sich vereinnahmen wollte. Vorher habe er, Werner Ende zufolge, kein Neupersisch gekonnt und sich auch nie sonderlich f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen Iran interessiert. Ende \u00fcber ihn: <em>\u201e[\u2026] ein wirklich \u00e4u\u00dferst gelehrtes Haus und pers\u00f6nlich sehr sympathisch.<\/em>\u201c Lediglich f\u00fcr kulturwissenschaftliche und historische Fragestellungen im neuiranischen Bereich fand eine interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit zwischen der Iranistik und der Islamwissenschaft statt.<a id=\"_ednref5\" href=\"#_edn5\">[8]<\/a> Werner Ende bemerkte, dass die Zusammenarbeit unter Spuler und Lentz viel enger gewesen sei. Auch Schirin Fathi machte diese Erfahrung in den 1990er Jahren: \u201e<em>Es lief nebeneinander ab. Also man kannte sich, aber es war jetzt nicht so, dass man \u00fcbergreifende Veranstaltungen gemacht h\u00e4tte oder dass man irgendwie Studierende hin und her schickte und sagte, ah guck mal jetzt bei den Iranisten oder vielleicht wissen die was<\/em>.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ende der 1970er Jahre wurde die Magister-Pr\u00fcfung als Voraussetzung f\u00fcr die Promotion eingef\u00fchrt. Zur Ver\u00e4nderung der Berufsperspektiven und -interessen \u00e4u\u00dferte J\u00fcrgen Paul: \u201e<em>Vorher war das in unserm Fach \u00fcblich, dass man direkt die Promotion anstrebte. Also die Erstsemester, die da kamen, die sahen sich dann in 5 Jahren als Doktories. Das ist eine Reaktion nat\u00fcrlich auf die Zunahme der Studierendenzahlen. Und auch auf die Ausdifferenzierung der m\u00f6glichen Berufsfelder. Wo das Fach fr\u00fcher einfach den akademischen Nachwuchs selbst rekrutiert hat. Unter den f\u00fcnf Leuten, die da jedes Jahr angefangen haben, alle zehn Jahre eben da Lehrstuhlnachfolger zu rekrutieren. Gibt es heute in viel gr\u00f6\u00dferen M\u00f6glichkeiten und weiter gef\u00e4cherte M\u00f6glichkeiten. Der Staatsschutz war damals an Islamwissenschaftlern noch \u00fcberhaupt nicht interessiert.<\/em>\u201c Die Islamwissenschaftlerin Gudrun Kr\u00e4mer habilitierte sich Anfang der 1990er in Hamburg und erl\u00e4uterte hierzu: \u201e<em>Ja, also so die allgemeine W\u00fcrdigung einer politiknahen, angewandten Wissenschaft war in den 80er Jahren noch nicht so weit verbreitet. Da hat sich manches ge\u00e4ndert. Auch die Beurteilung journalistischer oder medialer T\u00e4tigkeit<\/em>.\u201c Aus dieser Zeit geht auch das bis heute noch bestehende System der Iranistik-Bibliothek hervor. J\u00fcrgen Paul erinnerte sich: \u201e<em>Ich hab immer gesagt, wenn ich hier mal verr\u00fcckt werde, dann liegt es an der iranistischen Bibliothek. [\u2026] Es war wirklich staubig. Die iranistische Bibliothek, da konnte man sich nicht lange aufhalten, weil das so verstaubt war. Und die Seminarr\u00e4ume und die Arbeitsr\u00e4ume f\u00fcr Mitarbeiter waren wirklich abgewetzt<\/em>.\u201c Nicht nur \u201estaubig\u201c, sondern auch historisch ausgerichtet war die Iranistik laut Ursula G\u00fcnther, ab 1988 Studentin der Islamwissenschaft an der Uni Hamburg und dort sp\u00e4ter in verschiedenen Gremien t\u00e4tig. Das \u00e4nderte sich ihrer Aussage nach mit Themen wie der <em>Islamischen Revolution<\/em> und der <em>Salman-Rushdie-Aff\u00e4re<\/em>. \u201e<em>Und da hat eben Steinbach auch dazu noch ein Seminar gemacht und diese ganzen Debatten mit Iran und der Fatwa, und [\u2026] er ist ja so ein guter Redner mit einem Charisma. Wenn der redete, da funkelten die Augen, und die Studierenden sa\u00dfen so da<\/em>.\u201c Dr. Udo Steinbach leitete von 1976-2007 das Deutsche Orient-Institut. Das Institut spielte f\u00fcr den Fachbereich und die Studierenden eine wichtige Rolle. Insbesondere im Hinblick auf gegenwartsbezogene Themen war dessen Bibliothek sehr gut best\u00fcckt. Dr. Khalid Dur\u00e1n, von 1978-1986 Senior Fellow und Forscher am Orient-Institut, besch\u00e4ftigte sich mit Fragen zu Afghanistan.<a id=\"_ednref6\" href=\"#_edn6\">[9]<\/a> Ob er an der Uni Vorlesungen bzw. Vortr\u00e4ge hielt, konnte ich nicht in Erfahrung bringen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/wp-admin\/post.php?post=92&amp;action=edit\">In den 1990er Jahren verst\u00e4rkte sich das politische Bewusstsein sowie der Wunsch, die Bildung auch au\u00dferhalb des \u201eElfenbeinturms\u201c einzusetzen, vor allem seitens der Studierenden, erneut<\/a>. Die Islamwissenschaftlerin Verena Klemm, die sich damals an der Universit\u00e4t Hamburg habilitierte, sagte im Interview: <em>\u201e[\u2026] dieses politische Bewusstsein, das in dieser Zeit einfach verst\u00e4rkt wurde. Und das hatte eben nicht nur einen Fokus wie jetzt Scholl-Latour, und was gerade ganz aktuell war im Zuge des Zweiten Weltkriegs und der ersten, ja, das war M\u00f6lln, ja, wo so eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft oder -haus mit Migranten drin in Flammen gesetzt wurde; sondern wir hatten eben auch noch andere politisch relevante Felder, wo wir uns auch bet\u00e4tigt haben. Und da kam diese Fachgeschichte in den Blick. Und ich denke, es k\u00f6nnte vielleicht die Hedwig-Klein-Geschichte<\/em><a id=\"_ednref7\" href=\"#_edn7\">[10]<\/a> <em>gewesen sein, die uns damals bekannt wurde.<\/em>\u201c Dieser Satz machte mir nochmal bewusst, wie wichtig auch dieses Projekt, unter dem dieser Artikel zustande kommt, ist. <strong>Wir m\u00fcssen sowohl die Geschichte unseres Fachs als auch das, was heute gelehrt (und nicht gelehrt) wird, neugierig und kritisch hinterfragen. <\/strong>Denn: Wenn zum Beispiel nie Tadschikisch unterrichtet wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine:r der Studierenden bei eigenen Forschungen tadschikische Quellen hinzuziehen oder untersuchen kann und m\u00f6chte, eher gering. Auch das ist im weiteren Sinne eine politische Entscheidung oder wenigstens eine Entscheidung mit politischen Folgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Emmerick lehrte bis 2001 an der Uni Hamburg und verstarb im selben Jahr. Nach seinem Tod wurde der Fachbereich mit voller Wucht von der Sparwelle erfasst. Die personellen (2003 Einstellung des Lektors Ramin Shaghaghi, 2004 Berufung von Ludwig Paul) sowie strukturellen (Einf\u00fchrung der B.A.-\/M.A.-Studieng\u00e4nge) Ver\u00e4nderungen erforderten eine Umstrukturierung des Fachs.<a id=\"_ednref8\" href=\"#_edn8\">[11]<\/a> Der heutige Fokus liegt, wie eingangs bereits erw\u00e4hnt, auf Iran, dem Neupersischen sowie der (west)iranischen Dialektologie. So bleibt der Schwerpunkt in Iran verankert und die Sprachinteressen, bedingt durch die Schwerpunkte des neuen Lehrstuhlinhabers Paul und die seines Vorg\u00e4ngers Emmerick, schwanken ein wenig zwischen Ost und West. Tadschikisch, Pashto oder Balutschi werden weiterhin nicht unterrichtet. Daran \u201efehlt\u201c das Interesse \u2013 oder \u2013 der (wissenschaftspolitische) Wille?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> PAUL, Ludwig: \u201eWas ist Iranistik? Vom J\u00fcdisch-Persischen zum iranischen Nationalismus\u201c. Vortrag an der UHH 2014, https:\/\/lecture2go.uni-hamburg.de\/l2go\/-\/get\/v\/16454#download [Zugriff 26.07.2021]<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\">[2]<\/a> Wir danken M. Izady f\u00fcr die Bereitstellung der Karte, https:\/\/gulf2000.columbia.edu\/images\/maps\/Iranic_Languages_lg.png [Zugriff 03.08.2021].<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn2\" href=\"#_ednref2\">[3]<\/a> PAUL: \u201eWas ist Iranistik?\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\">[4]<\/a> Mara Hildebrandt und ich f\u00fchrten im Zeitraum von Mai bis Juli 2019 Interviews mit ehemaligen Mitgliedern der Abteilung Vorderer Orient an der Uni Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn2\" href=\"#_ednref2\">[5]<\/a> PAUL, Ludwig: \u201eZur Geschichte des Arbeitsbereichs Iranistik\u201c, in: Ludwig PAUL (Hrsg.): <em>Vom Kolonialinstitut zum Asien-Afrika-Institut: 100 Jahre Asien- und Afrikawissenschaften in Hamburg <\/em>(Deutsche Ostasienstudien)<em>, <\/em>Gossenberg 2008, S. 158f.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn3\" href=\"#_ednref3\">[6]<\/a> Ebd., S. 160f.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn4\" href=\"#_ednref4\">[7]<\/a> FRAGNER, Bert G.: \u201eIranistische und iranbezogene Studien in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\u201c, in <em>Opus<\/em>, Bamberg 2018, https:\/\/fis.uni-bamberg.de\/bitstream\/uniba\/42499\/1\/StudienOCR_A3a.pdf [Zugriff 26.07.2021], S. 25.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn5\" href=\"#_ednref5\">[8]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn6\" href=\"#_ednref6\">[9]<\/a> Ebd.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn7\" href=\"#_ednref7\">[10]<\/a> Hedwig Klein war w\u00e4hrend des Nationalsozialismus Promovendin des Islamwissenschaftlers Rudolph Strothmann, mit Hauptfach Semitistik. Aufgrund ihrer j\u00fcdischen Herkunft war ihr der Doktortitel vonseiten des Dekans verwehrt worden, 1942 wurde sie nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Siehe hierzu: Achim ROHDE: \u201eElfenbeinturm revisited \u2013 Zur Geschichte der Orientalistik im Nationalsozialismus: Das Beispiel der Hamburger Universit\u00e4t\u201c, in: <em>Orient \u2013 Zeitschrift des Deutschen Orientinstituts<\/em> 2 (2003), S. 435-460.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn8\" href=\"#_ednref8\">[11]<\/a> PAUL, Ludwig: \u201eZur Geschichte des Arbeitsbereichs Iranistik\u201c, in: Ludwig PAUL (Hrsg.): <em>Vom Kolonialinstitut zum Asien-Afrika-Institut: 100 Jahre Asien- und Afrikawissenschaften in Hamburg <\/em>(Deutsche Ostasienstudien)<em>, <\/em>Gossenberg 2008, S. 161.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>FRAGNER, Bert G.: \u201eIranistische und iranbezogene Studien in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin\u201c, in <em>Opus<\/em>, Bamberg 2018, https:\/\/fis.uni-bamberg.de\/bitstream\/uniba\/42499\/1\/StudienOCR_A3a.pdf [Zugriff 26.07.2021]<\/p>\n\n\n\n<p>PAUL, Ludwig: \u201eWas ist Iranistik? Vom J\u00fcdisch-Persischen zum iranischen Nationalismus\u201c, Vortrag in der Reihe \u201eWas wie wof\u00fcr studieren\u201c der Universit\u00e4t Hamburg (2014), https:\/\/lecture2go.uni-hamburg.de\/l2go\/-\/get\/v\/16454#download [Zugriff 26.07.2021].<\/p>\n\n\n\n<p>PAUL, Ludwig: \u201eZur Geschichte des Arbeitsbereichs Iranistik\u201c in Ludwig Paul (Hg.): <em>Vom Kolonialinstitut zum Asien-Afrika-Institut: 100 Jahre Asien- und Afrikawissenschaften in Hamburg <\/em>(Deutsche Ostasienstudien)<em>, <\/em>Gossenberg 2008, S. 156-162.<\/p>\n\n\n\n<p>ROHDE, Achim: \u201eElfenbeinturm revisited \u2013 Zur Geschichte der Orientalistik im Nationalsozialismus: Das Beispiel der Hamburger Universit\u00e4t\u201c, in: Orient \u2013 Zeitschrift des Deutschen Orientinstituts 2 (2003), S. 435-460.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meiner Masterarbeit \u00fcbersetze ich persische Gedichte afghanischer Frauen. Dass diese Frauen in Iran aufgewachsen sind, erleichtert mir die Arbeit insofern, dass sie in dem mir bekannten und an der Uni erlernten iranisch-persischen Dialekt (Farsi) schreiben. Ihre Muttersprache ist eigentlich das in Afghanistan gesprochene Dari, eine Variante des Persischen. Davon habe ich w\u00e4hrend meines Studiums [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":278,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"templates\/template-cover.php","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-212","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-recherche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/212","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=212"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/212\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":473,"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/212\/revisions\/473"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=212"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=212"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/orientalistik-in-hh.blogs.uni-hamburg.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=212"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}